Nationalgerichte - Was ißt man in anderen Ländern?
Bevor man in den Urlaub fährt, erkundigt man sich ja doch was einen dort so erwartet. Auch in Punkto Essen. Aber seien Sie nicht überrascht, wenn Sie in Italien nicht überall Nudeln und Pizza bekommen. Wir gehen im folgenden Artikel der Frage nach, ob es überhaupt Nationalgerichte gibt:
"Man ist, was man isst", lautet ein bekanntes Sprichwort. So gesehen wäre der Italiener ein flacher, mit allem Möglichen belegter Teigfladen, der im Steinbackofen gegart wird, der Deutsche hingegen ein in faserige Streifen geschnittener und eingelegter Weißkohl voller Vitamin C. Oder wie ist das mit den Nationalgerichten?
Als Nationalgerichte werden im Allgemeinen Gerichte bezeichnet, von denen man annimmt, dass sie in einem bestimmten Land von einem Großteil der Bevölkerung regelmäßig verzehrt werden. Der Begriff verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert in Verbindung mit der Idee einer nationalen Kultur.
Oft wird ein Gericht, welches im Ausland als typisch für ein bestimmtes Land gilt, von den Bewohnern ganz und gar nicht so gesehen. Die Pizza ist ein gutes Beispiel dafür. Ende des 19. Jahrhunderts konnte man in Meyers Konversationslexikon lesen, dass das Nationalgericht der Italiener die Polenta sei.
Die Pizza war eigentlich nur in Neapel bekannt. Hier eröffnete 1830 die erste Pizzeria. Und selbst in Neapel wurde sie beileibe nicht von allen gegessen, sondern eher von den einfachen Leuten auf dem Lande. Pizza war ein einfaches, preisgünstiges Gericht, bei dem alle möglichen Reste verwertet werden konnten. Einfach Teigfladen zubereiten, Tomatensauce drauf und dann alles, was noch so übrig war.
Im 20. Jahrhundert galt Pizza in den USA als typisch italienische Spezialität, weil sie dort von vielen Neapolitanischen Einwanderern gegessen wurde - allerdings von sonst niemandem. Erst in den Fünfzigerjahren wurde die amerikanisierte Form als Fast Food populär, das man bei Straßenhändlern kaufen konnte. Durch den zunehmenden Einfluss amerikanischer Kultur auf Europa wurde Pizza dann in den Siebziger Jahren als Rückimport auch in Italien landesweit bekannt.
Auch Nudeln galten während des Mittelalters nur in Sizilien als Grundnahrungsmittel, weshalb die Sizilianer im Rest Italiens auch als "Makkaronifresser" bezeichnet wurden. Erst im 18. Jahrhundert verbreiteten sich Pasta - wieder einmal über Neapel - in ganz Italien.
Mit dem Sauerkraut der Deutschen dagegen verhält es sich etwas anders. Besonders in Süddeutschland war es tatsächlich ein Gericht für jeden Tag, das von allen Schichten gegessen wurde. Ludwig Uhland besingt es in seinem "Metzelsuppenlied", Heinrich Heine lobt es in "Deutschland - Ein Wintermärchen". Dennoch kann nicht wirklich von einem Nationalgericht gesprochen werden, da sich die Norddeutsche Küche generell von der Süddeutschen unterscheidet.
Und das berühmte Wiener Schnitzel der Österreicher? Es geht wohl auf das italienische Costoletta alla milanese zurück und kam erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Wien.
Auch das englische Nationalgericht Fish and Chips entstand so, wie wir es kennen, erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Und wieder einmal kam das Gericht von außerhalb, der Fisch mit jüdisch-portugiesischen Einwanderern im 16. Jahrhundert, die gebackenen Kartoffeln aus Irland. Nach und nach entwickelte sich das Gericht zu einer Alltagskost der Unterschichten - ein Arme-Leute-Essen.
So genannte Nationalgerichte gehen erstaunlich häufig aus Unterschicht-Gerichten hervor, was wohl auch damit zu tun hat, dass Einwanderer, die traditionell eher den unteren Schichten entstammen, von den alteingesessenen Bewohnern eines Landes auf ihre Essgewohnheiten reduziert werden.
Generell kann man sagen, dass zwar bestimmte Gerichte mit bestimmten Ländern und Volksgruppen assoziiert werden, aber nicht immer zu Recht. Auch ändern sich die Essgewohnheiten und Lieblingsgerichte. Der ehemals türkische Döner ist heute aus kaum einer deutschen Kleinstadt wegzudenken, und der Hamburger hat sich mit dem Erfolg von Mac Donalds, Burger King und Co. zu einem echten Weltgericht gemausert.
Die beiden wichtigsten Arten des Kaffeegewächses sind "Robusta" und "Arabica". "Arabica" liefert die qualitativ hochwertigeren Kaffeebohnen. Sie werden heute fast überall entlang des Äquatorgürtels angebaut. Die "Robusta" wurde übrigens erst 1860 in Uganda entdeckt. Zu dieser Zeit wurde schon auf der ganzen Welt Kaffee getrunken. Die Bohnen der "Robusta" sind weniger aromatisch, aber widerstandsfähiger und leichter anzubauen. Für die handelsüblichen Kaffeesorten wird meist eine Mischung aus beiden Kaffeearten verwendet. Es gibt heutzutage unendlich viele Kaffeesorten, weil jede Anbauregion eine für sie typische Kaffeesorte züchtet. Die teurste Kaffeesorte ist "Kopi Luwak" aus Indonesien. Der größte Kaffeeproduzent der Welt ist Brasilien mit ca. 1,8 Mio. Tonnen Kaffeebohnen pro Jahr.
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