Deutsche Verbraucher essen viel zu viel Zucker

Zeitung zum Thema Essen und Trinken Foto: © Zerbor

Deutsche Verbraucher essen viel zu viel Zucker. Das Problem ist bekannt und unter anderem Auslöser für die Pläne von Bundesgesundheitsminister Christian Schmidt (CSU) die Lebensmittelhersteller eine freiwillige Selbstverpflichtung für gesündere Fertigprodukte unterzeichnen zu lassen. Um Möglichkeiten, wie sich der Zuckerkonsum reduzieren lässt, ging es auch beim „1. Deutschen Zuckerreduktionsgipfel“ am Mittwoch, dem 28. Juni. Zur Veranstaltung mit dem etwas sperrigen Titel hatte der AOK-Bundesverband Politiker, Wissenschaftler und Vertreter der Industrie eingeladen. (Wissenswertes über Zucker)

Elf Würfel Zucker in einem Fruchtjoghurt

Rund 32 Kilogramm Zucker im Jahr nimmt der durchschnittliche Verbraucher in Deutschland zu sich. Das ist deutlich mehr als von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen: Demnach sollten es nicht mehr als 18 Kilo Zucker für Erwachsene und neun Kilo für Kinder sein. Der viele Zucker hat Folgen: Fast jeder Fünfte in der Altersgruppe der 11- bis 17-jährigen gilt als übergewichtig. (Übergewicht bei Kindern) Der Grund ist oft, dass Eltern den Zuckergehalt in Lebensmitteln wie Fruchtjoghurt oder Softdrinks schlicht als zu gering einschätzen. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und die Universität Mannheim ließen Eltern die Menge Zucker in einem 250-Gramm-Fruchtjoghurt schätzen. 92 Prozent der Befragten lagen falsch. Im Durchschnitt gingen sie von vier Würfeln Zucker pro Becher aus – tatsächlich stecken im Joghurt ganze elf Zuckerwürfel.

Selbst fertig gekauftem Krautsalat oder sauer eingelegten Essiggurken ist Zucker zugesetzt. Gerade Lebensmittel für Kinder enthalten oft besonders viel Zucker. So gewöhnen sich die jungen Konsumenten schnell an den süßen Geschmack – und nehmen auch später zu viel Zucker zu sich. Die Zutatenlisten weisen zwar darauf hin, aber nur wenige Verbraucher lesen sich ganz genau durch, was wirklich in industriell hergestellten Lebensmitteln steckt. Oder Zucker versteckt sich hinter Synonymen wie Laktose, Fructose und Glucose.

Zuckersteuer auf Softdrinks

Die Pläne von Gesundheitsminister Schmidt gehen vielen Organisationen nicht weit genug. Die WHO möchte zuckerhaltige Getränke mit einer Steuer von bis zu 20 Prozent belegen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert sogar ein Werbeverbot für Kinderlebensmittel und verbindliche Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung. DDG und die Verbraucherzentrale plädieren zudem für ein Ampelsystem, das Verbrauchern einfach und verständlich anzeigt, welche Lebensmittel zu viel Zucker, Fett und Salz enthält.

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