Typische Rezepte aus Sachsen

Die sächsische Küche

Das gemeinsame Essen zu Tisch nimmt bei den Sachsen einen hohen Stellenwert ein. Typische sächsische Gerichte gehören natürlich immer auf den Speisenplan, denn Traditionen werden vor
Eine Tasse Kaffee und ein Stück Dresdner Eierschecke
Die Dresdner Eierschecke ist eine Spezialität
der sächsischen Küche - Foto: © kristina rütten
allem im südlichen Sachsen hochgehalten. Doch eine einheitlich sächsische Küche sucht man vergebens. Innerhalb des Bundeslandes gibt es regional große kulinarische Unterschiede, die in der Geschichte der Regionen verwurzelt sind.

Bei Gaffee und Guchn

Die Sachsen genießen zu Recht ihren Ruf als "Gaffeesachsen". Das nachmittägliche "Schälchen Heeßes" (Tasse Kaffee) gehört zum täglichen Ritual. Dazu werden leckerer Kleckselkuchen, Dresdner oder Freiberger Eierschecke und viele andere originelle sächsischen Backwaren gereicht. In kaum einem anderen Bundesland gibt es so viele gemütliche Cafés, in denen man sich trifft und gern ein Tässchen dünn gekochten "Blümchenkaffee" trinkt. Eine liebenswerte aber recht eigene Unart der Sachsen ist es, den Kuchen in den Kaffee zu "ditschen" (tunken). Der Ursprung dieser netten Gewohnheit liegt im kulturellen Erbe und der Anlehnung der sächsischen Küche an Österreich und Böhmen.

Königlich tafeln oder Arme-Leute-Essen auf dem Tisch

Typische sächsische Gerichte variieren nach der Region, in der sie entstanden sind. Während in Dresden am Hofe königlich getafelt wurde und Sächsischer Sauerbraten oder Meißner Fummel
(ein Feingebäck) serviert wurde, hatte das Erzgebirge oft große Not und Hunger zu leiden. Dort war das üppige Essen Dresdens undenkbar. Aus einfachsten Zutaten kreierten die Frauen die köstlichsten Gerichte, kreativ und mit Improvisationstalent. Die Ardeppeln (Kartoffeln / Erdäpfel), die auch auf kargen Böden gediehen, wurden Hauptbestandteil vieler erzgebirgischer Gerichte. Dazu zählen beispielsweise die Grienen Glies (Grünen Klöße) und Grienen Getzen (Puffer aus rohen Kartoffeln), sowie die Zudelsupp (eine Art Kartoffelsuppe) oder die Quarkkeulchen (in der Pfanne ausgebackene Klößchen aus gekochten Kartoffeln und Quark). Vielen unbekannt aber typisch erzgebirgisch ist das Essen der Kartoffeln mit Quark und Leinöl. Das Vogtland wiederum war stark bäuerlich geprägt. Typische Hausmannskost mit dem klassischen Sonntagsbraten am Wochenende ist noch heute traditionell in vielen Familien Alltag. In Plauen wird die beliebte sächsische Holundersuppe mit Plauener Spitzen gereicht, steif geschlagenem, in Wasser gekochtem Eiweißklößchen. Zuletzt stach der Raum Leipzig mit seinen aufwendigen und außergewöhnlichen Gerichten immer wieder hervor. Als Messestadt und Kreuzung wichtiger Handelsstraßen gelangten schon im 13. Jahrhundert außergewöhnliche Zutaten und Gewürze in die Region und waren Ausdruck des bürgerlichen Reichtums. Die Leipziger Lerchen, ein Gebäck mit Marzipan gefüllt, schmecken hervorragend. Am bekanntesten aber ist heute noch das Leipziger Allerlei, das wir als Variation aus zartem Frühlingsgemüse kennen. Früher wurde es aber mit Krebsfleisch zubereitet und verfeinert.

Hutzenstub, Christstollen und Neunerlei

Wenn es draußen kalt wird und die Adventszeit beginnt, trifft sich der Sachse in der Hutzenstub. Dort wird in urigen Gaststätten gemeinsam gesungen, gehutzt (zusammensitzen, erzählen und tratschen) und natürlich ausgiebig gespeist. Die sächsische Küche ist deftig und typisch mitteldeutsch, sie nutzt viele Saucen und Klöße oder Knödel. Doch auch außergewöhnliche Gerichte, gehören dazu. So etwa die Sauren Flecke, eine Suppe aus Innereien gekocht und säuerlich abgeschmeckt.
Weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt sind nicht nur die Pulsnitzer Pfefferkuchen, sondern vor allem der berühmte Dresdner Christstollen. Mit Orangeat, Zitronat, Korinthen und weihnachtlichen Gewürzen gebacken, gibt es ihn auf Deutschlands ältestem Weihnachtsmarkt, dem Strietzelmarkt in Dresden, zu kaufen. Eine ganz spezielle Form des Weihnachtsfestes wird im Erzgebirge kulinarisch begangen. Das Neunerlei (Neinerlaa) wird selbst innerhalb der Region von Ort zu Ort, von Familie zu Familie oder Tal zu Tal etwas abgewandelt am Heiligen Abend serviert. Neun Gerichte kommen auf den Tisch, jedes hat eine bestimmte Bedeutung. Klöße zum Beispiel versprechen Wohlstand im kommenden Jahr, Bratwürste stehen für die Herzlichkeit der Bewohner, Rote Bete oder Hagenbuttensuppe sollen eine reiche Ernte im Folgejahr bescheren.

Bier und Wein im Sachsenland

Leider kennen nur wenige die hervorragenden Sächsischen Weine, die an den Elbufern rund um Radebeul und Meißen gedeihen. Die meist regional vertriebenen Weine sind trocken herb und passen zum Charakter der Bewohner der Region. Und nicht nur die Weine haben eine Spitzenqualität. Auch sächsische Biere gehören selbstredend zur Esskultur des Bundeslandes. Biere aus Radeberg, Wernesgrün oder Plauen und anderen sächsischen Städten stehen stellvertretend für Jahrhunderte sächsischer Brautradition.

Es lohnt sich, die Vielfalt der sächsischen Küche selbst zu erleben und zu probieren. Nicht umsonst werben ansässige Restaurants mit den sächsischen Spezialitäten, anstatt mit deutscher Hausmannskost.
Text: C. D.


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